Pressestimmen
»Eine Hymne an die Freiheit
„KAPITÄNINNEN DER FREIHEIT«
von Mischi Steinbrück

» Große Begeisterung unter der europäischen Intelligenz von Lord Byron bis zum „Griechen“-Müller löste der griechische Befreiungskampf 1821 gegen das Osmanische Reich aus. Dass dieser Befreiungskampf entschieden auch durch Frauen geprägt wurde, ist für viele Menschen in Mitteleuropa unbekannt. Wer kennt schon die Namen der drei großen Kapitäninnen Bouboulina, Manto Mavrogenous und der Domna Wiswisi? Allen drei ist gemeinsam, dass sie unter Einsatz ihres Lebens und ihres Vermögens – Bouboulina z.B. ließ auf eigene Kosten ein Schiff, die „Agammennon“, mit 18 Kanonen bauen – für die Freiheit gekämpft haben – und dann als die Männer im Bürgerkrieg siegten, der Verelendung preisgegeben wurden.

In ihrer Performance „Kapitäninnen der Freiheit“ erinnert die Schauspielerin und Autorin Mischi Steinbrück an diese drei Frauen, stellvertretend für die vielen anonymen Freiheitskämpferinnen. Entspannt plaudernd, mit wenigen Strichen den historischen Kontext aufhellend, mit Liedern aus der damaligen Zeit und rhythmischen Texten, die von der Atmosphäre zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeugen. Deutlich wird so die Begeisterung für die Freiheit der unterdrückten Nation – fernab von allen politisch-taktischen Strategien. Diese Fixierung auf die nationale Emanzipation macht deutlich, dass die Kapitäninnen sich nicht als Vorläufer einer Frauenemanzipation begriffen, wenn sie es von heute aus betrachtet auch sind.

In dem starken Engagement für diese drei Frauen, das das Programm von Mischi Steinbrück durchdringt, wird aber auch nachdrücklich klar macht, dass die historische Ebene nur dann lebendig wird, wenn auch ein Bezug zum Heute hergestellt wird: Freiheit ist nicht abstraktes Abzufeierndes, sondern ein Gut, das immer neu erkämpft werden muss. Das macht die Performancekünstlerin eindringlich und mit großem Charme deutlich. Sie ist von einer wunderbaren Präsenz, die die karge Bühne – eine Bank, ein Stuhl – füllt. Ihre warme Stimme zieht alle Sympathien auf sich und in den zumeist a capella gesungenen Liedern entwickelt sie eine Kraft, die überzeugt. Ein toller Abend, der sich scheinbar einer vergessenen historischen Episode widmet, aber doch auch das Publikum im Heute trifft.
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Manfred Jahnke, freier Journalist und Theaterwissenschaftler
(Juli 2019)